19.09.2010

48 Stunden in Zügen

AMTRAK Southwest Chief II – Lakeshore Limited

Der zweite Teil der Reise mit dem Southwest Chief beginnt in Raton, dem Ort meiner 7-stündigen Verbannung. Die Fahrt führt in sehr langsamer Fahrt über den Raton Pass, z.T. doppelspurig, eventuell wegen der relativ enge Kurvenradien – mir scheint es aber exzessiv langsam zu gehen – um dann in die Nacht der weiten Ebenen der Great Plains hinauszufahren. So erlebe ich diese – eigentlich leider – nicht, weil am Morgen in der Umgebung von Kansas City die Welt schon wieder sehr grün ist. Langsam akkumuliert sich die Verspätung, aber das kann mir ja egal sein. Ich habe in Chicago genug Zeit.

Missouri bei Kansas City

Kurz nach Kansas City überqueren wir den Missouri und durchfahren anschliessend eine grüne, leicht gewellte Landschaft, in der v.a. Mais und Sojabohnen angepflanzt werden. Dreieinhalb Stunden dauert die Fahrt (fahrplanmässig) durch die Staaten Missouri und Iowa bis Fort Madison am Mississippi. In den tieferen Lagen, v.a. in der Nähe der grösseren Flüsse, sind überall Spuren von Überschwemmungen zu sehen. Der Missouri, das müssten auch überzeugte Freunde des Hochrheins zugeben, ist ein paar Nummern grösser. Und der Mississippi gerade nochmals. Den überqueren wir bei Fort Madison, um anschliessend durch das flache westliche Illinois durch hier deutlich grössere Mais- und Sojabohnenfelder immer Nordostwärts Richtung Chicago zu fahren. Die vorher vielfach ärmlich aussehenden Dörfer werden etwas gepflegter und die Vorstädte machen sich bemerkbar. Mit etwas mehr als einer Stunde Verspätung trifft der Southwest Chief in Chicago Union Station in einer eher düsteren Bahnhofshalle mit sehr engen Perrons ein.

Der Mississippi bei Fort Madison

Skyline von Chicago

Die Union Station ist verglichen mit jener von Los Angeles ein Sammelsurium von relativ niedrigen Stockwerken – gar nicht so wie ich sie in Erinnerung habe – aufgefüllt mit allem, was die amerikanische Fastfood-Gastronomie zu bieten hat. Schliesslich finde ich den AMTRAK-Schalter, aber leider nicht das gewünschte Produkt: der Schlafwagen nach Springfield MA ist ausverkauft!

Habe ich noch beim Mittagessen im Speisewagen die Meinung geäussert, ich sei zu alt für eine Nachtreise im Coach, bleibt mir jetzt gar nichts anderes übrig, wenn ich mein erneut geändertes Programm – man ist schliesslich flexibel – durchführen will. Bei MacDonalds (!), das Free Wifi anbietet, finde ich eine Ecke, wo ich meine Planung von Unsicherheiten befreien kann: ich reserviere ein Hotelzimmer in Springfield, miete eine Auto und reserviere mir ein Ticket für die Fahrt auf den Mt. Washington.

Von aussen wird dann klar: Die alte Union Station steht nebenan. Wozu sie noch gut ist, weiss ich nicht. Das neue Gebäude der Union Station ist ein Glaswolkenkratzer, der sich gut in die Umgebung einfügt.

Die Nachfahrt im Lakeshore Limited, der aus zwei Zugteilen besteht, je eine nach New York und Boston, im Amcoach-Wagen ist eben so, wie solche Zugreisen sind. Irgendwann weiss man nicht mehr, wie man sitzen oder liegen soll, soweit letzteres überhaupt möglich ist. Aber eben: man ist der festen Überzeugung, keine Minute Schlaf gehabt zu haben, aber dann ist es irgendwie doch plötzlich 6 Uhr und 8 Uhr. Man überlebt’s! Wobei zu sagen ist, dass diese Wagen eine  sehr anständigen Komfort bieten: reichlich Sitzabstand, drehbare Sitzgruppen, die alle an Fenstern stehen, eine Qualität, von der sich alle europäischen Bahnen sehr wohl ein bisschen etwas als Vorbild nehmen könnten. Das hier ist schliesslich 2. Klasse, hat aber mehr Platz für den einzelnen als z.B. im TVG 1. Klasse oder in den SBB-IC-Doppelstockwagen.

Fast eine Anekdote, wenn nicht ein Witz, ist die folgenden Episode: Beim Halt des Zuges in Buffalo NY, nahe der Grenze zu Kanada, kommt ein uniformierter Kerl und fragt in für mich schlecht verständlichem, vermuselten Englisch etwas. Nach Rückfrage stellt sich dann heraus, dass er wissen will, b ich „citizen“ sei. Meine erste Reaktion ist klar, ja schon, bis ich dann merke, dass der Kerl „U.S. citizen“ meint – es gibt gar keine anderen. Grenzkontrolle, mitten im eigenen Land. Nun, mein Schweizerpass und das mit so viel Aufwand erworbene US-Visum haben den Herrn dann überzeugt.

Vom Erie-See, dem Namengeber dieses Zuges, sieht man nicht viel. Zunächst ist die Landschaft flach, wird dann aber hügelig und erinnert tatsächlich an England. Die Bahn folgt mehr oder weniger dem Erie-Kanal, der den Erie-See über 584 km mit dem Hudson River verbindet, den er bei Albany erreicht. In Albany wird der Zug in die zwei Teile für New York und Boston aufgeteilt. Hier kommt von Norden auch die Linie von Montreal.

In den Berkshire Hills zwischen Albany NY und Springfield MA

Nach der Abfahrt von Albany geht es bergauf, zunächst auf ganz schlechtem Gleis. Praktisch die ganze Linie verläuft im Wald durch die Berkshire-Berge, viel in Einschnitten und mit einem Scheiteltunnel und ist mit bis zu 15 ‰ relativ steil. Eine v.a. wegen der beginnenden Herbstverfärbung im Abendlicht eine traumhaft schöne Fahrt (wenn ich nur nicht so müde gewesen wäre!). Der Bahnhof von Springfield bringt einem dann aber wieder auf den Boden zurück, verspricht aber eine baldige Erlösung von den Unwägbarkeiten (sagen wir dem einmal so) einer 48-Stunden-Eisenbahnreise.

Dieser Post ist auch verfügbar auf: Englisch

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