14.02.2017

Wieder daheim …

Da ist zunächst ein weiterer Besuch bei Freunden, bei Michaela und Michael Köhl in Hamburg. Michael hat mich noch spät in der Nacht im Hafen abgeholt und für zwei Nächte beherbergt. Viele gute Gespräche, ein Besuch der monumentalen Elbe-Philharmonie und im Miniatur Wunderland ergänzen die grosszügige Gastfreundschaft – vielen Dank, liebe Michaela, lieber Michael.

Um es nicht ganz einfach zu machen: Ich habe auf dem Weg nachhause noch einen kleinen Umweg gemacht und bin nun seit Sonntag wieder in meinen eigenen vier Wänden, zufrieden und glücklich, dass alles so gut geklappt hat. Mich nimmt Wunder, wie lange es dauert, bis sich die Reiselust wieder einstellt …

Hamburg

Elbe-Philharmonie

Hamburg

Michael, in der Plaza der Elbe-Philharmonie

Hamburg

Nochmals die Elbe-Philharmonie – in der Miniatur Wunderwelt

Hamburg

… ebenso der Flughafen, wo Flugzeuge fast wie echt starten und landen

Hamburg

.. und ein Fussballspiel …

Hamburg

Zurück in die Wirklichkeit: die Speicherstadt in Hamburg

Hamburg

Nein, das ist nicht in der Miniatur Wunderwelt, das ist Hamburg Hauptbahnhof

Hamburg

Mich trifft es jedes mal: Platz mit schlechter Aussicht (ich habe dann gewechselt)

München

München

Ulm

Ulm

Friedrichshafen--Romanshorn

Und nochmal über das Meer*, um nach Hause zu kommen …

* über das Schwäbische natürlich: Friedrichshafen–Romanshorn

10.02.2017

Zurück nach Europa

Die Reise zurück nach Europa mache ich an Bord des Schiffes BALTHASAR SCHULTE. Hier ein paar Notizen zum Verlauf der Reise.

Dienstag, 17.01.2017: Nach meinem 5½-Stunden-Flug mit LATAM – diesmal auch hier in den südamerikanischen Körpergrössen angepassten Sitzen, die Dame in Santiago war bei meiner Frage nach Beinfreiheit sehr, sehr ungnädig um nicht zu sagen unhöflich – kam als erstes der Versuch, meine restliche chilenischen Pesos am Flughafen in US-Dollar umzuwandeln. Die Wechselstelle darf maximal 29‘000 chilenische Pesos annehmen, das entspricht ungefähr USD 44. Gut, ich hatte ja noch US-Dollars. Trotzdem finde ich das seltsam. Im Hotel, in dem ich für zwei Nächte gebucht hatte, erreichte mich die Meldung des Hafenagenten, dass ich am 18.1. erst um 16:00 und nicht wie vorher angekündigt, schon um 10:00 abgeholt würde. Kein Problem, das gibt mir mehr Zeit, um die verschiedenen Dinge noch zu erledigen, die ich vor der 22-tägigen Schiffsreise ohne Kommunikationsmöglichkeit noch erledigen sollte.

Mittwoch, 18.01.2017: Netterweise erlässt mir das Hotel die zweite Nacht, die ich schon gebucht hatte und dies obwohl ich bis 15:30 im Zimmer blieb und arbeitete. Um 16:00 werde ich abgeholt und nach den Zollformalitäten mit zwei weiteren Passagieren, zwei Finnen in meinem Alter, zum Schiff gebracht, wo wir von 3. Offizier empfangen, über die wichtigsten Dinge informiert und in unsere Kabinen gebracht werden. Die Offiziere sind Russen, Ukrainer und ein Rumäne. Der 3. Offizier ist sehr nett, aber die anderen, mit denen ich bisher Kontakt hatte einschliesslich des Kapitäns, machen einen eher abweisenden um nicht zu sagen fast unhöflichen Eindruck. Für mich neu ist die Einschränkung, dass wir die Brücke nur von morgens 08:00 bis 16:00 besuchen dürfen. Das war bei keiner meiner bisherigen Reisen so, ist aber wohl in der Kompetenz der Schiffsführung. Schade! Ich erinnere mich ein bisschen wehmütig an den überaus freundlichen Empfang auf der CMA CGM MATISSE durch die indische Crew einschliesslich und vor allem des Kapitäns. Nun, wir werden es überleben. Wir, das sind eben die beiden Finnen und ein78jähriger Schweizer, ehemaliger Swissair-Kapitän, der die ganze Reise von Hamburg nach Callao und Guayaquil schon mitgemacht hat, insgesamt eine angenehme Gesellschaft, wenn ich bei ein paar Themen „auf mein Maul hocke“.

Donnerstag, 19.01.2017: Nach einem Tag an Bord legt die BALTHASAR SCHULTE nach 19:00 in der schnell hereinbrechenden Dunkelheit ab und nimmt die Fahrt durch das Flussdelta in die offene See auf, die wir etwa nach drei bis vier Stunden erreichen. Die Nacht ist ruhig, Bewegungen des Schiffes sind kaum spürbar.

Guayaquil

Ablegen in Guayaquil am Abend mit einer Tropendämmerung über dem Mangrovenwald

Freitag, 20.01.2017: Der erste Tag auf See beginnt ganz ruhig, keine Bewegung, eben „Ententeich“. Um 12:00 mittags überqueren wir den Äquator: wir sind wieder auf der Nordhalbkugel. Die Stimmung an Bord hat sich – leider – nicht verändert. Der Kapitän verlangt, dass wir grüssen, wenn wir auf die Brücke kommen und wenn wir sie verlassen – für mich, ja für uns, eine Selbstverständlichkeit. Das hat aber am Verhalten des Kapitäns nichts geändert. Er kann einen Meter an einem vorbei laufen und man hat den Eindruck, er nimmt uns nicht wahr, keinen Blickkontakt, kein Wort. Was ist dem über die Leber gekrochen?

Guayaquil--Panama

Guayaquil–Panama: Ententeich würden die deutsche Seeleute sagen

Samstag, 21.01.2017: Erstaunlich, aber es war wirklich die ganze Nacht nichts zu spüren. Ausser vorwärts bewegt sich das Schiff gar nicht. Der Pazifik macht seinem Namen alle Ehre. Sonst hat er diesen Ruf eigentlich nicht. Ich mache am Morgen einen Spaziergang an Deck zur Back (für Landratten: das ist der Schiffsteil am Bug), dem friedlichsten Ort auf so einem Schiff, absolut ruhig, kein Maschinenlärm und wenn das Schiff genügend Tiefgang hat auch keine Geräusche von Wellen. Beim Gang dahin sehe ich an Steuerbord (f.Lr.: rechts) Delphine springen. Etwas später sind es bestimmt 20 Tiere, die zu zweien und zu dreien neben dem Schiff herspringen. Die ganze Zeit sitzt auf der Reling ein grosser Vogel, der sich von meiner Anwesenheit nicht stören lässt. Gegen Abend tauchen erste Schiffe auf.

Guayaquil--Panama

Sonntag, 22.01.2017: Wir erreichen den Punkt, wo wir den Lotsen an Bord nehmen sollen, bereits am frühen Morgen. Nach einer längeren Wartezeit inmitten vieler anderer Schiffe kommt der Lotse gegen 11:00 vormittags an Bord und führt das Schiff unter der Brücke hindurch in den Kanalbereich und in den Hafen Rodman. Meine finnischen Mitreisenden und der Schweizer wollen eigentlich von Bord und Panama einen Besuch abstatten. Am Abend erfahre ich, dass es ihnen nicht gestattet wurde mit der Begründung, die Immigration Authorities von Panama würden am Sonntag nicht arbeiten. Nun, vielleicht stimmt es ja.

Panama

Panama: Einfahrt in den Kanal bzw. den Hafen, links jener von Balboa. Rodman liegt auf der linken , gegenüber liegenden Seite

Montag, 23.01.2017: Nachdem wir die ganze Nacht im Hafen Rodman – das ist gegenüber dem Hafen Balboa, Panama – verbracht haben, fahren wir bei strahlender Sonne gegen 7:00 auf die Schleuse von Miraflores zu. Neue Regel: offenbar dürfen wir uns während den Manövern nicht in der Brücke aufhalten, nur auf jenem offenen Teil, auf dem sich der Lotse und der Kapitän nicht aufhalten. Es scheint, dass diese Crew alles tut, einem die Reise zu vermiesen. Ich habe die Fahrt durch den Panama-Kanal schon zwei Mal gemacht und hatte bisher nie solche Schwierigkeiten. Ich konnte mich immer frei auf der Brücke bewegen. Dass man darauf achtet, den arbeitenden Leuten nicht im Weg zu stehen und sich ruhig und zurückhaltend zu verhalten, scheint mir klar sein. Und es gab absolut keine Anzeichen, dass meine Mitreisenden das anders sehen. Für diese hingegen war die Wahl der Route mit der Absicht verbunden, diese Fahrt durch den Kanal zu erleben. Ich weiss nicht, welchen Teufel diese Crew – vermutlich hauptsächlich Kapitän und Chief Officer – reitet. Schade, müsste nicht sein! Hingegen winkt uns der Lotse durch die Fenster freundlich zu. Auf anderen Schiffen wird man von diesen Leuten angesprochen, was zu anregenden Unterhaltungen führen kann.

Die Fahrt bei wirklich schönem, klarem und heissem Wetter durch den Kanal ist dann aber auch mit den Einschränkungen ein Erlebnis. Wir verlassen die Gatun-Schleusen so gegen 18:00 und setzen die Fahrt zum nächsten Hafen, Manzanillo, fort.

23. Januar, Panama-Kanal

Hier sind wir auf dem obersten Niveau bei der Einfahrt in den engsten Teil des Kanals, links die Einmündung von den neuen, grösseren Schleusen

23. Januar, Panama-Kanal

Gatun-See, durch den der Panamakanal führt, oder besser, der eigentlich einen grossen Teil des Kanals ausmacht

23. Januar, Panama-Kanal

Wir sind durch! Und verlassen die Gatun-Schleusen. In der Schleuse links ist unser Dauerverfolger durch den Kanal, der Autotransporter HÖEGH ST. PETERSBURG, der die unterste Schleusenstufe ebenfalls verlassen hat

Dienstag, 24.01.2017: Das Ablegen von Manzanillo findet vor dem Morgengrauen statt. Bei Sonnenaufgang sind wir auf einer wiederum sehr ruhigen, glatten See unterwegs. Beim Gespräch m Mittagstisch fragt mich ein Offizier nach den Gepflogenheiten an Bord von CMA CGM, z.B. ob ich da Kontakt mit der Crew gehabt habe. Zumindest die Frage ist im Kontext, in dem wir uns zurzeit befinden, interessant.

Im Lauf des Nachmittags stoppen die Maschinen. Ich sitze auf den „Balkon“ – das ist hier der Treppenabsatz auf meinem Deck ausserhalb – mangels Erlaubnis, sich nach 16:00 auf der Brücke aufzuhalten. Wir sind offenbar in Manzanillo schneller weggekommen, als geplant. Mitten auf See kostet keine Hafengebühren. Deshalb warten wir hier. Gegen Abend haben wir dann die Fahrt wieder aufgenommen. Die Uhren werden in der Nacht um eine Stunde weiter gestellt.

24. Januar: Manzanillo--Cartagena

Von Manzanillo, Panama nach Cartagena, Kolumbien: ohne weiteren Kommentar

Mittwoch, 25.01.2017: Im Morgengrauen erreichen wir Cartagena und sind etwa um 06:30 am Pier. Widersprüchliche Meldungen betreffend die Zeit, die für einen Landgang zur Verfügung stünde, veranlassen mich zunächst, darauf zu verzichten. Als dann aber klar wird, dass offiziell im Schiffs-Office 17:00 und nicht 13:00, wie man mir mündlich mitteilte, für die Rückkehr an Bord angeschlagen sei, mache ich mich mit den anderen Passagieren auf den Weg.

Cartagena ist schön, heiss und schwül, klimatisch also nicht so mein Ding. Nichts desto trotz habe ich einen Rundgang gemacht und ein Kaffee mit Internetanschluss gefunden, von wo auch ich vor der 11-Tages-Atlantiküberquerung noch mit meiner „Mitwelt“ Kontakt aufnehmen kann, was prompt zu Aufträgen führt: Dunkle Schokolade aus dem „Museo del Chocolate“ wird importiert. Mehr über Cartagena, eine wirklich schöne Stadt – zumindest was die Altstadt betrifft – habe ich in meinem Blog von 2012 geschrieben. Und ich habe den Eindruck, dass es dieser Stadt heute noch besser geht als vor vier Jahren.

Ablegen ist um 20:30. In der Nacht werden die Uhren um eine Stunde vorgestellt. Sobald wir die geschützte Bucht von Cartagena verlassen haben, beginnt sich das Schiff merklich zu bewegen, was die ganze Nacht anhält. Neptun will uns also doch nicht ganz verschonen – was zu erwarten war.

25. Januar: Cartagena

Cartagena

25. Januar: Cartagena

Cartagena, auch hier gute Graffitis, wie an vielen Orten in Südamerika

Donnerstag, 26. Januar 2017: Der Wind aus Nordost – der Passat – bläst uns entgegen. Deshalb sind die Bewegungen des Schiffes zwar spürbar, aber nicht stark. Die Situation veränderte sich den ganzen Tag nicht. Nach dem Mittagessen bekamen wir vom 3. Offizier, der für Sicherheitsfragen zuständig ist, eine Führung auf dem Deck, wo er uns alle sicherheitsrelevanten Details erklärte.

26. Januar

In der Karibik

Freitag, 27. Januar 2017: Die See ist heute wieder viel ruhiger. Am Nachmittag haben wir den Punkt erreicht, bei dem wir nach Passieren zwischen Santo Domingo und Puerto Rico stärker nach Osten schwenken. Offenbar hat der Kapitän einen Kurs etwas südlich des Grosskreises – da wäre die direkte Route – gewählt, um schlechtem Wetter auszuweichen. Wir werden also nicht zwischen den Azoren-Inseln hindurchfahren, sondern diese südlich umfahren. In der Nacht werden die Uhren um eine Stunde weiter gestellt.

27. Januar

Das ist eine Insel, die zu Puerto Rico gehört

Samstag, 28. Januar 2017: Etwas mehr Bewegung, aber immer noch kein Grund deswegen schlecht zu schlafen. Vielleicht liegt es doch an der sehr harten Matratze, nachdem ich in den letzten Monaten die weichen amerikanischen Betten genossen habe. Am Morgen haben wir die Position 20°44‘ N / 64°01‘ W und fahren mit fast 17 Knoten auf einem Kurs von 66°. Es ist warm und die See dampft, was wunderschöne Wolkenbilder und auch einen kleinen Regenschauer abgibt. Trotzdem ruft das direkt nach einem Aufenthalt  am ruhigsten Ort des Schiffes, am Bug. Mittlerweile hat dieser Schiffsteil unter den Passagieren den Übernamen „the beach“ bekommen. Hier wird heute auch gemalt. Der Seemann hat eine Overall der EMS-Chemie an, am Rücken gross „EMS“ und vorne das EMS-Chemie Logo. So weit reicht also der Arm der Blochers. Der Seemann weiss nicht mehr, woher er diesen Overall hat.

28. Januar

EMS-Chemie mitten in Atlantik?

Sonntag, 29. Januar 2017: Unverändert ruhig, heute sogar sehr ruhig und fast wolkenlos. Am Morgen haben wir die Position 23°32‘ N / 65°01‘ W und fahren mit rund 20 Knoten auf einem Kurs von 65°. Wir befinden uns jetzt definitiv auf der Nordhalbkugel: letzte Nacht haben wir den nördlichen Wendekreis überschritten bzw. natürlich überfahren oder übersegelt .. wie sagt man bei einem Schiff eigentlich? Englisch würde man sagen: „ We sailed over the …“ obwohl auch im englischsprachigen Raum die Containerschiffe mit Dieselmotoren unterwegs sind. In der Nacht werden die Uhren eine Stunde weiter gestellt.

29. Januar

Das Schiff ist nicht einseitig beladen, es rollt!

Montag, 30. Januar 2017: Heute morgen scheint sich etwas zu ändern. Wir haben mittlerweile eine Position von 26°14‘ N / 51°19‘ W erreicht und sind wieder mit 16 Knoten auf einem Kurs von 65° unterwegs. Zum ersten Mal, seit wir im Atlantik sind, sieht und spürt man die Dünung. Das Schiff macht jetzt deutlich spürbare Bewegungen und hin und wieder ist es gut, wenn man die Regel befolgt, dass im Schiff eine Hand immer dem Schiff gehört. Auch hat sich eine graue Wolkendecke eingestellt.

30. Januar

Dienstag, 31. Januar 2017: Die See hat sich in ihrem Verhalten nicht geändert. Am Morgen haben wir mit fast 17 Knoten  die  Position von 28°59‘ N / 44°36‘ W erreicht. Am Nachmittag fahren wir aber nur noch mit 12 Knoten und stellen die Weiterfahrt gegen Abend ganz ein. Das Schiff ist jetzt ohne Fahrt der Dünung ausgesetzt, was sich in unangenehmen Schlägen äussert, die das ganze Schiff oder zumindest die „accommodation“ erzittern lassen. Ein komisches Gefühl, so mitten im Meer zu treiben mit fast 4 km Wasser unter dem Kiel. Grund für dieses Vorgehen und auch für die reduzierte Geschwindigkeit sind drei Stürme, die sich zusammenbrauen und denen der Kapitän ausweichen will. So schildert es uns der Chief Engineer am Abend. Im späteren Abend nimmt das Schiff wieder Fahrt auf. In der Nacht stellen wir die Uhren wieder eine Stunde weiter. Wir haben jetzt noch zwei Stunden Differenz zu zuhause.

01-31

Mittwoch, 1. Februar 2017: Heute Morgen sind wir bei  30°36‘ N / 40°35‘ W – das ist die nördliche Breite von Ponte Vedra Beach, wo Pat wohnt – mit 11.4 Knoten unterwegs. Die See ist wieder ruhiger, der Tag plätschert dahin wie die anderen auch: um 08:00  Frühstück, anschliessend ein Besuch auf der Brücke, um 12:00 Mittagessen, dann vielleicht einen Spaziergang zum Bug, dort ein Weilchen philosophieren, um 18:00 Nachtessen und noch ein Bier. Wir schleichen in den nächsten drei Tagen mit den 12 Knoten gegen Nordosten und hoffen, dass wir dann nach dem Sturm und vor dem nächsten Sturm in den Ärmelkanal schlüpfen können. Es wird bereits von einem Tag Verspätung gesprochen. Mal sehen! Auf jeden Fall war keine meiner bisherigen Seereisen seemässig so ruhig.

02-01

Sonnenaufgang

Donnerstag, 2. Februar 2017: Heute ist der erste Tag mit Bewegung. Nicht die Wellen sind es, die die Bewegung des Schiffs ausmachen, es ist die Dünung oder der Schwell, wie sich die deutsche Mannschaft der MS BREMEN ausdrückte. Heute Morgen hatte ich Gelegenheit, dem Kapitän über die Schulter zu gucken, als er die Prognose für Wind und Wellenhöhe mit unserem geplanten Kurs verglich. Da ist im Nordatlantik ein ziemlicher Sturm im Gang. Heute Morgen hatten wir die Position 32°39‘ N / 35°22‘ W, immer noch weit südlich der Azoren. Um nach diesem Sturm und vor dem nächsten, der sich ankündigt in den Ärmelkanal einschwenken zu können, sind wir immer noch auf dem Kurs von 65° mit 12 Knoten. Wenn so weiter fahren, werden wir am nächsten Waypoint 13 ungefähr einen Tag Verspätung haben, aber das gehört zu einer Frachtschiffreise, der Fahrplan, ja nicht einmal der Ankunftshafen ist garantiert.  Das hat man zur Kenntnis genommen und unterschrieben. Aus diesem Grund haben die beiden Finnen auch noch kein Flugticket und wir Schweizer noch kein Zugbillet.

Am Morgen begegnen wir einem Fischtrawler, der recht weit von seiner Basis vermutlich auf den Azoren weg ist. Gegen Mittag werden wir von einem Containerschiff, der CAP ROBERTA, überholt. Dieses hat einen Zielhafen in Galizien (Nordwest-Spanien) und versucht vermutlich, diesen noch vor dem Sturm zu erreichen. Das waren übrigens die ersten Schiffsbegegnungen, seit wir Cartagena verlassen haben.

Das Wetter wird immer grauer. Es ist aber noch relativ warm. Gegen Abend beginnt es zu regnen. In der Nacht werden wird die Uhren wieder eine Stunde weiter stellen und haben dann UTC oder GMT, wie man will, als noch eine Stunde Unterschied zur Schweiz. Wenn morgen sonst nichts Interessantes geschieht, werde ich einmal etwas über das Schiff schreiben und darüber, was ich beim Bordunterhaltungsprogramm so alles mache den lieben langen Tag.

02-02

Es ist nicht einfach, die Dünung oder die Wellen so zu photographieren, dass man zuhause einen wirklichen Eindruck davon bekommt

Freitag, 3. Februar 2017: 03:45: Mit Schlafen ist es etwas schwierig und zwar nicht wegen den Schiffsbewegungen, sondern wegen den Zeitumstellungen. Nun, dann sitzt man eben an den Computer und schreibt darüber. Vielleicht macht mich das genügend müde.

Morgens um halb neun, nach dem Frühstück – es beginnt wegen den Zeitumstellungen erst gerade zu tagen – sind wir wieder mit 14,5 Knoten bei Position 34°56‘ N / 29°26‘ W unterwegs und werden die Azoren in den Nacht erreichen. Von dort drehen wir auf einen etwas nördlicheren Kurs geradewegs auf die Westspitze der Bretagne zu. Den ganzen Tag über stampft das Schiff, weil die Düngung von Südwesten kommt und rollt nur wenig. An Nachmittag haben wir wieder einen klaren Himmel, sodass ein längerer Aufenthalt am Bug gut möglich ist. Über das Schiff und was ich den Tag über so tue, schreibe ich dann vielleicht morgen.

02-03

Schaumkronen auf den Wellen sagen etwas über die Windgeschwindigkeit hier, massgebend für die Bewegungen des Schiffes sind diese Wellen nicht

Samstag, 4. Februar 2017: Morgens um etwa 02:00 haben wir die Azoren östlich passiert. Um 09:00 sind wir bei 37°46‘ N / 23°14‘ W mit 15 Knoten in Richtung 46° unterwegs. Der Wind frischt auf und die Bewegungen des Schiffes nehmen zu. Heute werden wir eingeladen, den Maschinenraum zu besuchen. Der Chief Engineer ist ein sehr freundlicher Herr, der alle unsere Fragen geduldig beantwortet. Diese Maschinenräume sehen auf allen Schiffen etwa ähnlich aus. Dies ist eine günstige Gelegenheit, etwas über das Schiff zu sagen: Die BALTHASAR SCHULTE wurde 2012 in China gebaut. Sie ist 261.10 m lang und  32.25 m breit und ist damit für die alten Schleusen Panama-Kanal –tauglich. Sie kann 4253 TEU-Container laden und gehört damit zu den kleineren Schiffen, vermutlich vergleichbar mit der CMA CGM MATISSE, mit denen ich bisher unterwegs war. Sie ist mit einem 8-Zylinder MAN-Dieselmotor mit einer Leistung von 36‘560 kW ausgerüstet. Sie gehört der Reederei Thomas Schulte in Hamburg und ist zurzeit von Hamburg Süd gechartert und in deren Liniendienst Hamburg—Panama—Callao eingesetzt. Die Mannschaft umfasst acht Offiziersränge – Russen, Ukrainer und ein Rumäne – zwölf Seeleute von den Philippinen und vier Passagiere, zwei Finnen und zwei Schweizer. Die BALTHASAR SCHULTE wird noch eine Fahrt nach Callao unternehmen und dann nach Ostasien weiterreisen, nicht mehr für Hamburg Süd.

Am Nachmittag mach ich einen Spaziergang auf Deck, werde aber angewiesen, mich wegen starken Windes nur auf der Steuerbordseite aufzuhalten. Am Bug ist von diesem Wind nicht viel zu merken, dafür aber kann man die Bewegungen des Schiffes ausgiebig geniessen – und ich meine das so: es ist wirklich ein Genuss. Wenn man auf Deck geht, soll man sich bei der Brücke ab- und wenn man zurück kommt, zurückmelden. Auf der Brücke treffe ich nur den Kapitän, mit dem ich – es geschehen noch Zeichen und Wunder – eine kleine Unterhaltung über die Wetter- und Sicherheitssituation auf Deck führe, von seiner Seit mit einem kleinen Witz garniert.

Im Lauf der Nacht nehmen die Bewegungen des Schiffes noch zu.

02-04

Das sind die Ausläufers des Sturms nördlich von uns

Sonntag, 5. Februar 2017: Heute morgen befinden wir uns bei 41°27‘ N / 17°38‘ W westlich von Nordwest-Spanien, Galizien. Wir sind mit 20 Knoten, etwas später mit 18 Knoten Richtung 48° unterwegs und sollten den nächsten Waypoint westlich der Bretagne morgen Nachmittag erreichen, wo wir gerade zwischen zwei Tiefs in den English Channel einbiegen sollten. Man empfiehlt uns, heute und eventuell morgen nicht an Deck zu gehen. Obwohl die See zurzeit nicht sehr stürmisch aussieht, rollt das Schiff und krängt wegen einer Dünung aus zwei Richtungen beidseits bis zu 8°. Das scheint nicht viel, aber man muss beim Herumlaufen schon aufpassen. Eine Hand gehört dem Schiff!

Nun, was tue ich den so, den lieben langen Tag? Also, da sind einmal die drei Malzeiten, die den Tag strukturieren. Dann kann man sich – wenn es möglich ist – an Deck bewegen, 200 m zu Bug und zurück. Man kann lesen oder Filme abschauen –  das Schiff hat eine Bibliothek und eine sehr gut bestückte Videothek – und dann habe ich natürlich allerhand Altlasten mitgenommen: ein bisschen Programmieren für meine WSL-Kollegen (hoffentlich können sie es dann auch noch brauchen, sonst habe ich in den Wind gearbeitet), am einen oder anderen Artikel zu schleifen, die ich noch versprochen habe, aber auch an meinen Hobbies, Eisenbahngeschichte usw. bin ich je nach Lust und Laune dran. Ausserdem habe ich eine Bilddatenbank mitgenommen, in der die Bilder zur inhaltlichen Erschliessung kommentiert werden sollten. Aber eine ganz wichtige Tätigkeit ist es, einfach nichts zu tun, was manchmal ganz schön anstrengend sein kann, hier auf dem Schiff aber wunderbar funktioniert, v.a. da ich keine mögliche Kommunikationsmöglichkeit wahrnehme.

02-05

Montag, 6. Februar 2017: Unsere Position heute Morgen liegt bei 46°02‘ N / 10°11‘ W im Golf von Biskaya. Nach einer eher bewegten Nacht – sowohl was das Schiff als auch meine mich Wälzen im Bett angeht – und einem sichtbaren Sonnenaufgang wird das Wetter immer grauer. Wir fahren ja auch in den Winter. Die Temperatur liegt um 09:00 noch bei 14°C, am Mittag nur noch 12°C. Wir werden die Westspitze der Bretagne trotz den nun seit gestern eingehaltenen 18 Knoten erst am Abend erreichen und damit auch Rotterdam mit Verspätung. Wir werden sehen. Die Bewegungen des Schiffes halten den ganzen Tag über an. Die Krängung, d.h. der Winkel, um den das Schiff sich gegen Back- und Steuerbord neigt, das Rollen, erreicht die kritische Grenze von 10°, was bedeutet, dass der Lift nicht mehr benützt werden darf. Und das Wetter ist grau-trüb. Gegen Abend erreichen wir den Waypoint 14, an dem wir in den Ärmelkanal einschwenken können und die Schiffsbewegungen gehen erheblich zurück. Die Massnahmen des Kapitäns scheinen Erfolg zu haben.

NAVIOS JOY, Nordatlantik 46°12.893'N / 009°52.915'W

NAVIOS JOY, Nordatlantik 46°12.893’N / 009°52.915’W

 

Dienstag, 7. Februar 2017: Nach dem ursprünglichen Plan sollten wir eigentlich heute Morgen in Rotterdam sein. Unsere Position heute Morgen liegt bei 49°57‘ N / 2°10‘ W und wir sind mit 15 Knoten unterwegs, die dann auf 12 Knoten reduziert wird. Wir sind im Ärmelkanal querab von Guernsey und Cherbourg, was Telephonkontakte ermöglich. Wir sind aber auch mit vielen anderen Schiffen unterwegs. Die engste Stelle zwischen Calais und Dover erreichen wir gegen 21:00 und die Ankunft in Rotterdam ist für den Mittwoch auf 03:00 angesagt.

English Channel

English Channel mit zwei in die gleiche Richtung wie wir fahrende Schiffe – eine dreispurige „Schiffsautobahn“

Mittwoch, 8. Februar 2017: Tatsächlich sind wir ungefähr um 06:00 im Hafen. Die Ladeoperationen beginnen um ca. 08:00. In Rotterdam hat es Nebel bei einem Grad: der Winter heisst uns willkommen. Hier stellt sich natürlich die Frage, ob man von Bord gehen kann und z.B. diesen langen Blogtext endlich hochzuladen. Von den Filipinos an Bord bekommt man auch die Frage nach den Möglichkeiten die Auskunft, sie würden hier nie von Bord gehen. Die Stadt Rotterdam liegt 30 km entfernt und die Taxis sind offenbar sehr teuer. Ich entschliesse mich, auf einen Landgang zu verzichten und an Bord zu bleiben. Ein bisschen länger spielt ja auch keine Rolle mehr. Ablegen ist allerdings erst gegen Abend zu erwarten. Bis dahin haben wir ausgiebig Zeit, das Geschehen hier in diesem Hafen zu verfolgen, z.B. das Ballett der fahrerlos verkehrenden Container-Transporter, die die von Schiff abgeladenen Container automatisch zu den Lagerstapeln bringen und die im Hintergrund automatischen Stapelkräne. Offenbar soll über kurz der lang der ganze Hafen, also auch die Containerkräne, die die Container von den Schiffen auch auf die Schiffe laden. Hier kommen auch zwei Techniker und ein Vertreter der Reederei an Bord, die vom Kapitän freundliche begrüsst werden!

Am späten Abend gegen Mitternacht sind sie immer noch am Laden.

Rotterdam

Rotterdam, die Ladekräne sind hier noch grösser

Rotterdam

Das sind die fahrerlosen Container-Transporter, im Hintergrund die automatischen Stapler

Donnerstag, 9. Februar 2017: Nach Auskunft des 3. Offiziers sind wir erst um 03:00 ausgelaufen. Die Position um 08:30 ist 53°11‘N / 4°31’E und wir halten mit 20,4 Knoten einen Kurs von 31°, den wir um ca. 09:00 mehr gegen Osten drehen. Gemäss aktueller Planung soll der Lotse um 16:00 an der Elbemündung an Bord kommen und wir sollten spätestens sechs Stunden später im Hafen sein. Nun, wir werden sehen. Das Wetter ist grau-trüb und kalt und wir haben eine steife Brise als Gegenwind.

Tatsächlich: um 15:50 ist der Lotse auf der Brücke und wir fahren bei Cuxhaven durch den Wattenmeer-Nationalpark, wo uns unter dem Nebel hindurch die Sonne mit einem schönen Untergang im alten Europa begrüsst. Die Fahrt bis Hamburg dauert ein Weilchen und wir liegen um 22:30 am Kai. Damit hat diese Seereise bei winterlichen Minustemperaturen ein Ende.

Langenoog--Cuxhaven

Zwischen Langenoog und Cuxhaven lässt die Abendsonne das  Wattenmeer leuchten

 

Zunächst: Ich schäme mich! Ich reise jetzt seit Ende September im Spanisch-sprechenden Teil von Südamerika, in Ecuador, Perú, Bolivien, Argentinien und Chile, und bin nicht in der Lage, eine einfache Unterhaltung oder einen kurzen Dialog in Spanisch zu führen. Ich verstehe die Leute zuwenig gut – das mag auch am Spanisch der Südamerikaner liegen – ich habe aber auch keinen ausreichenden Wortschatz. Und das liegt an mir: ich hätte viel früher mit Spanisch-Lernen anfangen sollen. Und ich finde, es wäre eigentlich eine Voraussetzung, wenn man in diesen Ländern reisen will. Sich überall immer mit Englisch zu behelfen, macht zumindest mir kein gutes Gefühl. Was ziemlich gut geht, ist das Lesen und Verstehen, das ersetzt aber das Gespräch nicht.

Dann: eine Freundin hat mir einen Text eines Amerikaners geschickt, der schreibt, warum er immer wieder nach Südamerika reist. Ich kann seine Haltung sehr gut nachvollziehen. Erstens habe ich ja nur einen kleinen Teil gesehen, von Ecuador eigentlich nichts, von Perú einen Teil, von Bolivien und Argentinien ebenfalls und Chile ist in seiner grossen Nord-Süd-Ausdehnung so vielfältig, dass die paar Highlights im Norden und im Süden unmöglich alles gewesen sein können. Mehr Zeit und z.T. anders Reisen, z.B. Chile von Norden nach Süden mit einen Auto, das sind so Ideen. Auf jeden Fall kann ich jetzt meinen Sohn Benno sehr gut verstehen. Für ihn war es, glaube ich, das dritte Mal. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es auch für mich ein oder mehrere weitere Male geben kann, auch an Orten, an denen ich jetzt schon einmal war.

Dies ist mein Abschied von Südamerika. ¡Hasta luego! Das heisst „auf Wiedersehn“. Das heisst in diesem Fall auch Abschied nehmen vom Sommer, den ich hier vor allem in Süden als eher kühl, nun aber hier endlich in Zentral-Chile schön warm bis heiss, aber trocken erlebt habe, und eine Rückkehr in einen hoffentlich nicht mehr allzu strengen Winter. Das heisst auch Abschied nehmen von den Hunden. Ich weiss nicht weshalb, aber hier sind die Hunde ausserordentlich freundliche Tiere, auch untereinander. Ein Freund von mir hat festgestellt, dass man mit Hunden nicht spazieren gehen muss – sie gehen selber. Und sie sind nie aggressiv gegen andere Hunde, allenfalls bellen sie Autos an. Und es heisst Abschied nehmen von alle den freundlichen Menschen und dem guten Essen, dem guten Bier, das in anständigen Portionen serviert wird, nämlich in Literflaschen, und dem guten Wein. Als Einzelreisender ist es bezüglich Wein immer etwas schwierig: auch eine halbe Flasche ist manchmal etwas viel (weil man vorher schon ein Bier gehabt hat natürlich). Ich habe immer guten Wein bekommen, wenn ich ein Glas Roten oder Weissen bestellt habe. Der Malbec in Argentinien oder der Carménère in Chile, auch der weisse Torrontés in Argentinien haben mich nie enttäuscht.

Wenn ich meine jetzige Erfahrung mit den ersten Eindrücken vergleiche, sieht die Welt für mich anders aus: ¡Hasta luego, América del Sur!

Ich werde am 18. Januar an Bord dieses Schiffes gehen, das mich über den Atlantik bringt. Wie üblich in solchen Fällen, werde ich in dieser Zeit nicht erreichbar sein, vielleicht in den nächsten acht Tagen kurzzeitig per SMS, wenn wir durch den Panamakanal skippern oder in Cartagena (Kolumbien) anlanden. Und erst wieder, vielleicht, auch mit SMS, wenn wir in den Ärmelkanal einfahren.

BALTHASAR SCHULTE, Cartagena

BALTHASAR SCHULTE, Cartagena, Oktober 2012

Hier könnt ihr die BALTHASAR SCHULTE verfolgen

Von Los Andes bin ich über Viña del Mar und Valparaiso nach Santiago zurückgefahren. Hier in paar Bilder dazu.

Curimon

Hübsche Kirche in Curimón bei San Felipe. Das meiste ist aus Holz.

San Felipe--Palomar

Bahnübergang zwischen San Felipe und Palomar. Solche elektrisch betriebene Warnsignale mit pendelnder Scheibe gab es in der Schweiz. Dieses hier lief endlos, obwohl kein Zug weit und breit war. 

Viña del Mar

Viña del Mar, das Cannes von Chile?

P1050563

Valparaíso, der so andere Nachbar von Viña del Mar. Die Überbauung der Abhänge erinnert fast ein bisschen an La Paz.

Valparaiso

Vor der Stadt am Ufer verläuft die Eisenbahn und davor ist der Hafen, Valparaíso

Valparaiso

Valparaíso

Valparaiso

Valparaíso

Parque Italia, Valparaíso

Valparaiso

Was man aus einem Einkaufswagen alles machen kann: Ein Souvlaki-Grill, Parque Italia, Valparaíso

Valparaiso

Valparaíso

Valparaiso

Valparaíso, am nächsten Morgen

Valparaiso

Spuren des letzten grossen Erdbebens, Valparaíso

Valparaiso

Ein der Seilbahnen in Valparaíso

Valparaiso

Valparaíso ist voll von Graffiti, noch viel bessere als dieses hier

Valparaiso

Valparaíso, Blick auf den Hafen

Valparaiso

„Hunde in Südamerika“ wäre fast ein eigenes Kapitel wert, Valparaíso

Valparaiso

Valparaíso ist sehr farbenfroh

Colliguay (Valparaiso--Santiago)

Auf der Rückfahrt nach Santiago habe ich mich verfahren und bin in diesem Talkessel gelandet, aus dem es zunächst keine Weiterfahrt zu geben schien. Nach Nachfrage bei einem Einheimischen habe ich dann die sehr schlechte Strasse – vielleicht besser die Piste oder das Bachbett – über Cerro Viejo gefunden, Colliguay in den Küstenkordilleren

Valparaiso--Santiago: Cerro El Plomo

Einfahrt Santiago von Westen, im Hintergrund schwach durch den Smog der Cerro El Plomo 5424 m

Museo Ferroviario Santiago, Quinta Normal, Santiago

Eine Original-Transandino-Lok im Museo Ferroviario Santiago, Quinta Normal, Santiago

Quinta Normal, Santiago

Quinta Normal, Santiago

Museo Artequin, Santiago

Museo Artequin, Santiago, der chilenische  Pavillon der Weltausstellung von 1889 in Paris, ein Gebäude aus Eisen, nicht von G. Eiffel

Museo Artequin, Santiago

Kuppel von innen, Museo Artequin, Santiago

Museo Artequin, Santiago

Detail Museo Artequin, Santiago

 

 

Es gab natürlich mehrere Bahnlinien in Südamerika, die die Anden überquerten oder zumindest in sie hinein führen. Eine vollständige Überquerung machte aber vor allem der sogenannte Transandino von Chile, d.h. von Los Andes und den Cumbre Pass nach Mendoza in Argentinien, eine Eisenbahnlinie, die Rekorde brach. Wer mehr darüber wissen will, findet die Angaben hier:

Transandenbahn in Wikipedia

Der durchgehende Verkehr wurde 1984 eingestellt. Was bleibt ist die Meterspurstrecke von Los Andes bis Rio Blanco, von wo mit einer Spitzkehre eine Zufahrt zum Kupferbergwerk Saladillo besteht, die noch regelmässig befahren wird. Das beschränkt sich aber auf das Teilstück der chilenischen Andenbahn, die als Talstrecke ohne Zahnstange betrieben wurde. Die Bergstrecke ab Rio Blanco bis zum Tunnel de la Cumbre ist den Zerfall preisgegeben und ist teilweise abgebaut. Die Spuren im Gelände sind aber unübersehbar.

Los Andes

Der schön renovierte, ehemals grosse Bahnhof von Los Andes, beherbergt heute ein Institut für die spanische Sprache

Los Andes

Bahnhof Los Andes, restauriertes Wandbild

Los Andes

Breitspurige Lok 2354 der FEPASA, der Ferrocarril del Pacifico, der Güterverkehrsbahn Chiles, die auch den Mineralientransport von Saladillo nach Los Andes auf der Meterspur des ehemaligen Transandino betreibt, Los Andes

Los Andes

Dreischienengleis in Los Andes. Die Masten der ehemaligen Elektrifizierung sowohl der Breitspur- als auch der Meterspurlinie, sind auf weite Strecken noch vorhanden

Rio Bravo--Los Andes

Salto del Soldado, ein 90 m tiefe Schlucht, links unten der Bahntunnel, ca. 23 km östlich von Los Andes. Daran knüpft sich eine Legende aus der Zeit des Unabhängigkeitskrieges.

Rio Bravo

In Rio Blanco begann die eigentliche Bergstrecke mit den Zahnstangen-abschnitten, hier die Überführung über die Strasse Los Andes–Mendoza. In Rio Bravo zweigt auch der Zubringer zum Kupferbergwerk Saladillo ab, von wo aus noch Güterverkehr talwärts betrieben wird.

Rio Bravo

Abt’sche Zahnstangen als Zaunpfosten für die Ewigkeit, Rio Blanco

Rio Bravo--Portillo

Trassee im Hang zwischen Rio Blanco (1452 m.ü.M.) und Juncal (2231 m ü.M.)

Rio Bravo--Portillo

Unterspühltes Gleis mit dreilamelliger Zahnstange zwischen Rio Blanco und Juncal

Rio Bravo--Portillo

Blick von Juncal (2231 m ü.M.) auf das Trassee Juncal–Portillo hoch oben im Hang: Rechts im Bild sind noch Masten sichtbar. Von hier schwenkte die Linie in das Tal gegen rechts um dann mit einer Wende den Steilhang gegen links nach Portillo (2867 m ü.M.) zu überwinden. 

Rio Bravo--Portillo

Linie unterhalb Portillo

Rio Bravo--Portillo

Linie unterhalb Portillo

Rio Bravo--Portillo

Tunnel unterhalb Portillo

Rio Bravo--Portillo

Brücke über die Strasse Los Andes–Mendoza unterhalb Portillo (2867 m ü.M.)

Rio Bravo--Portillo

Laguna del Inca o de Portillo

Die Linie steigt bin zum 3 km langen Scheiteltunnel de la Cumbre auf über 3000 m. Dieser Abschnitt liegt aber oberhalb der chilenischen Zollstelle und konnte deshalb nicht besucht werden.

Zurück in Los Andes war die Suche nach Relikten auch noch von einem kleinen Erfolg gekrönt: In einem Schuppen, leider ohne Bewilligung nicht zugänglich, aber von weiten einsehbar, stehen noch Fahrzeuge, die erhalten geblieben sind.

Los Andes

Links eine Kitson-Meyer-Zahnradlok, hinten ein Dieseltriebwagen, der für den durchgehenden Verkehr Los Andes–Mendoza 1955 von Schindler Waggon Pratteln und SLM gebaut wurde. Alles diese Fahrzeuge werden von Freiwilligen restauriert, Los Andes

Vergleiche dazu den Beitrag Mendoza – Highlights der Sechs-Tages-Tour

Auch heute noch macht die gewaltige Leistung des Baus und Betriebes dieser Eisenbahnlinie Eindruck. Auf der chilenischen Seite wurde die Strecke 1927 elektrifiziert und mit Lokomotiven aus Winterthur betrieben. Ob der damalige Entscheid, die Linie in Meterspur auszuführen aus heutiger Sicht richtig war, ist zu bezweifeln. Es gibt Projekte die Bahn als Breitspurstrecke mit einem 23 km langen Tunnel zur Verbindung von Chile und Argentinien wieder aufzubauen.

16.01.2017

Nordwärts

Ich bin mit dem Bus von Valdivia nach Chillán und vor dort mit den Zug nach Santiago gereist. Dabei – ich habe es schon erwähnt – fährt man durch verschiedene Klimazonen. Valdivia ist mild und feucht, Chillán, rund 450 km weiter, nördlich ist schon wärmer und trockener. Dieser setzt sich dann weiter fort bis nach Santiago, wo man schon fast wieder in einer Halbwüste ist, besser gesagt in einem mediterranen Klima. Die Bus- und die Bahnreise verläuft immer im Valle Longitudinal oder Central – beide Begriffe werden gebraucht – und gegen ist sieht man immer die Kordilleren der Anden.

Die Fahrt durch dieses Gebiet ist eine Fahrt durch die gesamte landwirtschaftliche Produktion des Landes. Von Süden nach Norden sind es die Milchwirtschaft und der Ackerbau, den Reis, Rebbau und Früchte folgen. Chile exportiert Wein und Früchte auch nach Europa.

Valdivia

Ausblick vom Hotel in Valdivia, es kann auch hier einmal nicht regnen

Chillan

Graffiti ein Thema in ganz Chile und auch in den anderen Ländern Südamerikas, z.T. echte Kunstwerke und nicht so stiere wie bei uns, Chillán.

Chillan

Chillán

Chillan

Triebwagenzug TerraSur des TrenCetral, jener Gesellschaft der Staatsbahn EFE, die den Personenverkehr Santiago–Chillán, betreibt, durchaus komfortabel und schnell, Chillán

Chillan--Santiago

Die Anden und der Vulkan ?, Chillán–Santiago

Chillan--Santiago

Reisfelder, Chillán–Santiago

Chillan--Santiago

Weinreben, Chillán–Santiago

Chillan--Santiago

Kiwi, Chillan–Santiago

Santiago, Alameda

Santiago, Estación Central, Alameda, eine schöne Bahnhofshalle. Vor hier aus gibt es Vorortsverkehr.

15.01.2017

Aconcagua

Und ich habe ihn doch noch ganz gesehen, den höchsten Berg der Welt ausserhalb Eurasiens. 6962 m hoch, ganz in Argentinien gelegen, aber von der chilenischen Seite aus dem Tal des Rio Aconcagua wunderschön sichtbar, zwar etwas im Dunst, nichts desto trotz aber im wahrsten Sinne des Wortes überragend.

Villa Prat, Aconcagua

Der Cerro Aconcagua, von Villa Prat aus gesehen

Villa Prat, Aconcagua

Der Cerro Aconcagua, gezoomt, von Villa Prat aus gesehen

Vergleiche dazu den Beitrag Mendoza – Highlights der Sechs-Tages-Tour

10.01.2017

Seen und Vulkane

Chile hat eine sehr grosse Nord-Süd-Ausdehnung, ist aber West-Ost ziemlich schmal. Ausserdem ist das Land von zwei Gebirgszügen geprägt. Da sind die Anden im Osten, die gleichzeitig die Grenze zu Argentinien markieren. Entlang der Küste sind die weniger hohen Küstenkordillere und zwischen den beiden Gebirgszügen liegt das sog. Valle Longitudinal, südlich der Wüstengebiete im Norden und bis etwa Puerto Montt, wo dieses Längstal abtaucht und bis hinunter nach Feuerland die Fjordlandschaft bildet, die wir in den letzten Tagen durchfahren haben. Auch das Valle Longitudinal hat eine ziemlich grosse Nord-Süd-Ausdehnung, was sich in unterschiedlichen Klimazonen und damit auch unterschiedlichen Möglichkeiten für die Landnutzung ausdrückt.

Panguipulli--Los Lagos

Zwischen Panguipulli und Los Lagos

Panguipulli--Los Lagos

Eucalyptus-Bestand, zwischen Panguipulli und Los Lagos

Panguipulli--Los Lagos

Pino Oregon = Douglasien, zwischen Panguipulli und Los Lagos

(Villarrica)--Conaripe--(Neltume--Choshuenco)

Auch einheimische Baumarten bilden schöne Bestände, zwischen Conaripe und Neltume, hier bereits an Andenabhang

(Villarrica)--Conaripe--(Neltume--Choshuenco)

Weitsicht, zwischen Conaripe und Neltume

Nördlich von Puerto Montt, im sogenannten kleinen Süden, ist Chile grün, sogar sehr grün. Die Fahrt von Puerto Montt nach Valdivia für durch eine wellige und sehr grüne Landschaft. Auffallend sind die vielen Bäume. In der Umgebung von Valdivia kommen die bewaldeten Hügel der Küstenkordillere dazu. Am Ostabhang der Anden ist etwas dasselbe zu finden, was wir nördlich und südlich der Alpen als Folge der Vergletscherung haben: die „Anden“-Rand-Seen. Die Anden waren in Eiszeiten auch vollständig vergletschert, wobei bei die Gletscher der maximalen Ausdehnung bis in den Pazifik reichten. Was wir nicht haben, sind die Vulkane, von denen es in Chile eine ganze Reihe gibt. Chile ist Teil des sogenannten pazifischen Feuerrings.

Villarrica--Pucon

Der Lago Villarrica, zwischen Villarrica und Pucón

Lago Panguipulli

Einer von vielen weiteren, der Lago Panguipulli, südlich von Villarrica

In diesem Teil Chiles ist das Klima gemässigt feucht. Das habe ich „leider“ auch bemerkt. Von den sechs Tagen, an denen ich im Haus eines Freundes – das ist ein Story für sich – etwas 20 km nordöstlich von Pucón verbracht habe, waren zwei Tage trocken und mit guter Sicht. Wenn man sich die Klimadaten der Region ansieht, verwundert das nicht und wenn man sich die Vegetation an sieht erst recht nicht. Puerto Montt liegt ungefähr soviel südlich des Äquators  wie Rom nördlich, hat ein feucht-kühles Klima – 1800 mm pro Jahr, 19°C im Sommer und das ganze Jahr eine hohe Luftfeuchtigkeit. In Valdivia regnet et 2200, schon vor allem im Winter, d.h. Juli/August. So richtig kalt wir es aber auch nicht. Das wäre eigentlich ein angenehmes Klima, um alt zu werden, oder?

Hier ein Wort zur Vegetation: sie ist sehr reichhaltig und üppig und erinnert an vielen Orten an den Tessin, v.a. entlang den Seeufern mit vielen Exoten, aber auch in den Andentälern mit ihren steilen Flanken und an den Kastanien in den Talböden. Die Kastanien standen im ganzen Gebiet in voller Blüte, eine echte Pracht.

Pucon--Grenze

Prächtige Kastanie – eine eingeführte Baumart, bei Currarehue

Pucon--Grenze

Kastanien-Blüten, bei Currarehue

Bleiben noch die Vulkane und das, was damit zusammenhängt, nämlich die Erdbeben, von denen es in der Geschichte des Landes, auch in der jüngeren, einige desaströse Beispiele gibt: Valdivia, Concepcion, Valparaiso (erst vor wenigen Jahren). Ich habe hier – Holz „aalange“ – keine erlebt und die schönen Vulkane haben z.T. ihr Haupt verhüllt. Von Puerto Montt aus sieht man die Vulkane Osorno 82652 m) und Calbuco (2002 m), der letztere aktiv und im April 2015 zum letzten Mal heftig ausgebrochen. Diese beiden siehr man bei schönem Wetter. Als ich sie photographieren wollte, war das Wetter leider nicht schön. In der Nähe von Pucón bzw. Villarrica ist der Vulkan Villarrica (2840 m), aktiv und zum letzten Mal im März 2015 ausgebrochen. Der Villarica räuchelt permanent. In seiner Nähe wären noch der Quettrupilán (2360), nicht aktiv, und der Lanin (3769 m) an der Grenze zu Argentinien, erloschen und offenbar der schönster Berg Argentiniens. Mit hat sich in seiner vollen Pracht nur der Villarrica gezeigt.

Pucon

Vulkan Villarrica, vom Schlafzimmer von Pauls Haus aus gesehen.

Pucon, Volcan Villarrica

Pucon, Volcan Villarrica, von Pucón aus

Pucon, Volcan Villarrica

Volcan Villarrica

Pucon, Caburga

Vulkan Villarrica, auch vom Schlafzimmer von Pauls Haus aus gesehen

Volcan Lanin

Volcan Lanin, wenigstens sein Fuss, im Vordergrund Araukarien

Pucon--Grenze

Araukarien, nahe der Grenze zu Argentinien Mamul Malal

Pucon--Grenze

Araukarien-Verjüngung

Pucon--Grenze

Schöne Blumen, bei den Araukarien

Und dann ist da ja noch die Story für sich. Ich habe ein paar ruhige Tage in einem schönen Haus 20 km ausserhalb Pucón verbracht. Das Haus gehört einem Arbeitskollegen. Als ich ihr fragte, ob man das Haus mieten könne, gab er mir die Antwort: „Nein, ich vermiete es nicht; meine Freunde können es gratis benützen.“ Das habe ich dann eben gemacht und ich muss sagen, es hat sich gelohnt. Vielen Dank, lieber Paul!

Pucon, Caburga

Pauls Haus, mit eigenem Vulkan

Das Haus hat noch eine Besonderheit: vom Schlafzimmer aus sieht man den Villarrica – wenn es schön ist. Aber eine weitere Besonderheit ist der kleine Vulkan gerade oberhalb des Hauses. Dass es sich um einen Vulkan handelt, sieht man auf dem folgenden Google-Earth-Bild.

pucon-bei-paul

Google-Map-Bild: beim roten Kreis ist Pauls Haus

Noch zur Reise:Ich bin zuerst von Puerto Montt mit dem Bus nach Valdivia gefahren, habe dort ein Auto gemietet, bin damit nach Pucón und auf verschlungenen Wegen nach Valdivia zurück gereist. Gestern bin ich dann sechs Stunden mit dem Bus durch das Velle Longitudial bis Chillán gefahren. Warum Chillán? Weil es hier einen Bahnhof gibt.

EFE Antihue

Und das ist ein Zufallstreffer: Bei der Rückfahrt nach Valdivia sah ich es bei einem Bahnhof räucheln: EFE-Zug „El Valdiviano“  Valdivia–Antilhué 

Valdivia Airport, das ist der Ort, wo ich den Mietwagen für die nächsten Tage abholen kann. Das hat mir das Internet so angeboten und bestätigt, dass am 3. Januar um 10:OO ein Auto dort zur Verfügung steht. Also nichts wie hin mit einem Taxi. Der Flughafen Pichoy liegt etwas mehr als ein halbe Stunde ausserhalb der Stadt gegen Norden. Dort angekommen: gähnenden Leere, nur Putzfrauen bevölkern das moderne Gebäude. Die Schalter der Autovermieter sind verwaist.

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Ein bisschen ratlos bin ich schon, was dem Taxifahrer, der gerade wegfahren wollte, offenbar aufgefallen ist. Er kommt zurück, um mir zu helfen. Schliesslich stellt sich heraus, dass der tägliche Flug Nachmittags fällig ist und dass dann wohl jemand hier sein wird. Das Reservationssystem wusste das offensichtlich nicht. Schliesslich kommt ein Telephongespräch mit dem Anbieter in Valdivia zustande. Der Taxifahrer, der nur Spanisch spricht, erklärt die Situation und schliesslich findet sich dort jemand, mit dem ich mich kurz auf Englisch verständigen kann. Für so komplizierte Sachen reicht mein dürftiges Spanisch leider nicht (selber schuld, hättest Du früher damit begonnen, es zu lernen).

Eigentlich hätten wir am 26.12.2016 abends an Bord gehen sollen, aber das Schiff, die Evangelistas, das uns nach Puerto Montt bringen sollte, war nicht da bzw. weit draussen in der Bucht von Puerto Natales und konnte wegen den starken Windböen – bis 130 km/h – nicht anlegen. Dafür hatten wir einen schönen Blick in die Berge des Nationalparks Torre del Paine. Wir verbrachten also ein zweite Nacht im Hotel und gingen dann am nächsten Mittag endlich an Bord.

Puerto Natales

Blick von Puerto Natales Richtung Torre del Paine

Puerto Natales

Die Fähre EVANGELISTA, Puerto Natales

Puerto Natales

Blick zurück auf Puerto Natales

Die Fahrt durch die Fjorde Patagoniens ist vor allem ein landschaftliches Erlebnis. Auch hier sind Leute an Bord, die einem die Landschaft und die Natur in Vorträgen und vom Oberdeck aus näher bringen. Man sieht Wasservögel wie Albatrosse, Riesensturmvögel usw, aber wenn man Glück hat, auch Robben, Seelöwen und Wale. Wale haben wir auf dieser Fahrt keine gesehen. Das ganze Gebiet ist fast menschenleer, wilde Natur und einige Stellen sind für das Schiff so eng, dass eine Durchfahrt nur bei günstigen Bedingungen, d.h. richtige Gezeiten, möglich ist. Meist ist man zwischen hohen Bergen mit Gletschern unterwegs und das normale Wetter ist Regen und Wind. In diesem Gebiet soll es 3000 bis 5000 mm pro Jahr regnen.

Puerto Natales--Puerto Eden

Hier muss das Schiff durch, zwischen Puerto Natales und Puerto Edén

Puerto Natales--Puerto Eden

Ein Brauen-Albatross, Spannweite bis 2,5 m,  Puerto Natales–Puerto Edén

Puerto Natales--Puerto Eden

Windgeformte Scheinbuchen-Wälder, Puerto Natales–Puerto Edén

Puerto Natales--Puerto Eden

Riesen-Sturmvogel, Puerto Natales–Puerto Edén

Puerto Natales--Puerto Eden

Puerto Natales–Puerto Edén

Puerto Natales--Puerto Eden

Puerto Natales–Puerto Edén

Puerto Natales--Puerto Edén

Puerto Natales–Puerto Edén

Puerto Eden--Puerto Montt

Die zweite sehr enge Stelle zwischen Puerto Edén und Puerto Montt

Puerto Eden--Puerto Montt: Capitan Leonidas

MV Capitan Leonidas, im Messier Canal, nördlich Puerto Edén. Der Kapitän des Schiffes wollte das Schiff 1968 zwecks Versicherungsbetrug versenken und lief auf Grund. Dummerweise sank das Schiff nicht, bis heute.

Puerto Eden--Puerto Montt: Capitan Leonidas

Der „Kapitän“ und das (nicht) sinkende Schiff

Puerto Eden--Puerto Montt: Capitan Leonidas

Mittlerweile ist die MV Capitan Leonidas ein Naturparadies: Blumen an Deck

Am Abend des zweiten Tagen muss das Schiff in den offenen Pazifik ausweichen und den Schutz der Inseln und Kanäle verlassen, was sich in einer zusätzlichen Bewegung des Schiffes äussert. Auf unserer Fahrt war es allerdings nicht allzu bewegt. Für heikle Mägen kann man im Schiff eine Pille und einen Plastiksack bekommen. Wir haben das nicht gebraucht.  Gegen Abend des dritten Tages erreicht man die grosse Bucht von Puerto Montt, wo man am nächsten Morgen anlegt.

Puerto Edén--Puerto Montt

Ende der Fjord-Fahrt, hinaus aufs offene Meer, Puerto Edén–Puerto Montt

Die Kabinen auf dem Schiff sind eng, das Essen ist reichlich. Nichts desto trotz haben wir den festen Boden und ein gutes Hotel und ein gutes Restaurant in Puerto Montt genossen.

Puerto Eden--Puerto Montt

Die Anden

Puerto Montt

Die Bucht von Puerto Montt

route

Ausspioniert: Unsere Einfahrt verfolgt von meinem Sohn Peter

Am Hafen in Puerto Montt erwarten einem die Seelöwen und bieten ein attraktives Schauspiel.
https://dl.dropboxusercontent.com/u/109418653/Puerto%20Montt.MP4

Die Fahrt durch die Fjorde Patagoniens führte uns über fast 1500 km vom 51. Breitengrad Süd in Puerto Natales – das würde in Europa ungefähr Dortmund in Deutschland entsprechen – über den südlichsten Punkt der Reise bei 52 Grad Süd zum 41. Breitengrad – das ist etwa Rom in Italien – nach Puerto Montt. Klimatisch sind wir hier allerdings eher in Nordeuropa als in Italien.

Zugegebenermassen einen Besonderen. Zuerst aber das hier:

Ich habe ja schon darüber geschrieben, wie Benno mich in Ushuaia überrascht hat. Wir sind miteinander durch Feuerland und Südpatagonien nach Punta Arenas gefahren. Kurt und Benno hatte ein Mietauto aus Chile, das bedeutet bei jedem Grenzübertritt viele Stempel. In Punta Arenas hatten wir dann unser persönliches Weihnachtsessen, da wir alle drei diese zuhause ja verpasst haben. Am nächsten Tag ist Benno nach Santiago und am folgenden Tag nach Hause geflogen und hat Kurt und mich mit unseren beschränkten Spanischkenntnissen zurückgelassen. Unser nächstes Ziel war der Glaciar Perito Moreno. Um dahin zu gelangen sind wir nach El Calafate gefahren.

Punta Arenas und Puerto Natales liegen in Chile, El Calfate in Argentinien, d.h. wir mussten über die Grenze zwischen Puerto Natales und Rio Turbio. Das bedeutet, dass man aussteigen und mit Pässen und Zollpapieren für das Auto zuerst zu den Chilenen muss für die Ausreise und dann dasselbe bei den Argentiniern für die Einreise, eine Prozedur mit vielen Stempeln. Wir haben dank der scharfen Instruktions Bennos aber alles gut geschafft.

Auf dem Weg nach von Rio Turbio nach El Calafate durch eine Halbwüste kann man komfortabel aber weiter über eine gute Strasse oder über eine kürzere Verbindung über eine kürzere, rund 50 km lange Schotterpiste fahren. Wir haben die kürzere Route gewählt und dabei am Horizont immer die schneebedeckten Anden gesehen. Vor El Calafate steigt die Strasse ins Tal des Rio Santa Cruz und des Lago Argentino ab. Am oberen Ende dieses Abstiegs hat man einen phantastischen Ausblick.

Rio Turbio--El Calafate

Die Anden, Rio Turbio–El Calafate

Rio Turbio--El Calafate

Der Schotterpisten-Abschnitt, Rio Turbio–El Calafate

Ob. Estancia La Julia (El Calafate)

Der Ausblick auf den Lago Argentino und die Anden, oberhalb Estancia La Julia (El Calafate)

Nach einer Nacht in El Calafate sind wir dann zum Glaciar Perito Moreno gefahren, der uns nebst der eindrücklichen Landschaft ein ebenso eindrückliches Schauspiel bot.

https://dl.dropboxusercontent.com/u/109418653/Perito%20Moreno.MP4

Glaciar Perito Moreno

Glaciar Perito Moreno, die Eiswand ist hier ca. 100 m hoch

Glaciar Perito Moreno

Glaciar Perito Moreno, rechts der Hauptarm des Lago Argentino und die Abflussrichtung

Glaciar Perito Moreno

Glaciar Perito Moreno, dies ist der andere Arm des Lago Argentino

Glaciar Perito Moreno

Glaciar Perito Moreno, hier stösst der Gletscher gegen den Fels und staut den Arm des Lago Argentino dahinter

Lago Argentino, Brazo Rico

Lago Argentino, Brazo Rico, das ist kein künstlicher Stausee. Durech den Gletscher gestaut, läuft er von Zeit zu Zeit aus, zum letzten mal dieses Jahr, deshalb der tiefe Wasserstand

Perito Moreno--Lago Argentino--El Calafate

Lago Argentino zwischen Perito Moreno und El Calafate

Am nächsten fuhren wir dann zurück nach Puerto Natales, um dort die Fähre nach Puerto Montt zu nehmen.

19.12.2016
Stormy Monday: während der Nacht hat der Wind erheblich aufgefrischt und die See macht der Drake Passage alle Ehre. Den ganzen Tag werden wir geschüttelt und lernen die Bedeutung der Seemannsweisheit „eine Hand gehört dem Schiff“ kennen.

Melchior Islands--(Ushuaia)

Vier Meter hohe Wellen in der Drake Passage

Melchior Islands--(Ushuaia)

Abendstimmung in der Drake Passage

Am Abend ist ein Captain’s Cocktil angesagt. Der Sicherheitsoffizier entpuppt sich als Chorleiter, der Chor besteht aus der ganzen Mannschaft einschliesslich der Filipinos, die deutsche Seemannslieder, aber auch ein philippinisches Liebeslied singen. Der Kapitän ist ein guter Redner, ein ausgezeichneter Unterhalter und Auktionator – eine Seekarte wird versteigert, sie geht zu einem stolzen Preis, die Hälfte für den Antarctic Research Trust und die andere Hälfte für die Crew – und am Schluss outet er sich auch noch als Sänger des irischen Liedes Wild Rover.

20.12.2016
Heute ist die See ruhig und gegen Mittag sehen wir Land. Es gibt noch Vorträge, aber die Abschiedsstimmung mach sich schon breit, obwohl wir erst morgen von Bord gehen werden. Im frühen Nachmittag begleiten uns noch Delfine. Im frühen Nachmittag fahren wir in den Beagle Kanal und der Lotse kommt an Bord. Noch vor 18:00 legen wir am Pier von Ushaia. Einige zieht es an Land, andere, u.a. auch ich, bleiben an Bord.

Drake Passage

Drake Passage

Drake Passage

Der südlichste Teil des südamerikanischen Kontinents

Drake Passage

Besuch von Delfinen

Drake Passage

Ein letzter Albatros gibt uns das Geleit

Beagle Kanal

Stimmung über dem Beagle Kanal

Beagle Kanal

Wenn Puerto Williams (Chile) eine Stadt wäre, wäre es die südlichste, Beagle Kanal

Beagle Kanal

Beagle Kanal

21.12.2016
Ich hatte ursprünglich vor, von Ushuaia nach El Calafate zu fliegen und dort Kurt Brunner zu treffen. Mein Sohn Benno hat mir aber ein gemeinsames Weihnachtsessen in Punta Arenas schmackhaft gemacht, und mich aufgefordert, den Flug zu canceln. Ich solle mit dem Bus um 10:00 ab Ushuaia nach Punta Arenas fahren, ich würde am Hafen abgeholt. Ich bin deshalb um 9:00 von Bord gegangen und habe den Hafen verlassen. Dort wurde ich von Benno und Kurt überrascht. Halb habe ich mir so etwas gedacht, habe mich dann über die gelungene Überraschung schon sehr gefreut. Das angekündigte Weihnachtsessen haben wir dann in Punta Arenas genossen.

PS: Um 10:00 fährt gar kein Bus von Ushuaia nach Punta Arenas.

PPS Ich konnte dank der Hilfe eines Freundes ein Bild vom Aconcagua einfügen: http://www.a-bis-zet.ch/Altersausflug/2016/11/22/basis-mendoza-highlights-der-sechs-tages-tour/

18.12.2016
Gegen 05:30 fahren wir in den Lemaire-Kanal, eine sehr enge Passage, die von steilen Felswänden und Gletschern umrahmt ist. Wir befinden und jetzt in einer faszinierenden Eiswelt. Eisschollen kratzen hörbar am Rumpf des Schiffes. Das ist nun wirklich das, was ich auf dieser Reise sehen wollte. Wir fahren den ganzen Tag in dieser Szenerie. Zu sehen sind Berge, Eis, Gletscher, Eisberge und manchmal Pinguine und Robben. Besser als Worte sollen hier die Bilder davon erzählen.

Lamaire Canal

Lemaire Channel, 05:56

Lamaire Canal

Lamaire Channel, 05:58

Lamaire Canal

Lemaire Channel, 06:11

Lamaire Canal

Lemaire Channel, 06:17

Lamaire Canal

Lemaire Channel, 06:21

Lamaire Canal

Lemaire Channel, 06:22

Lamaire Canal

Lemaire Channel, 06:27

Lamaire Canal

Lemaire Channel, 06:28

Lamaire Canal

Die Fahrt durch den Lemaire Channel erfordert höchste Aufmerksamkeit der Schiffsführung, 06:35

Lamaire Canal

Lemaire Channel, 06:44

Lamaire Canal

Lemaire Channel, 06:48

Lamaire Canal

Lemaire Channel, 06:48

Lamaire Canal

Lemaire Channel, 07:03, hier haben wir knapp unter dem südlichen Polarkreis unsere südlichste Position erreicht

Lamaire Canal

Lemaire Channel, 07:11

Lamaire Canal

Kapitän und erster Offizier (sie will so genannt werden), Lemaire Channel, 07:21

Lamaire Canal

Kapitän Jörn Gottschalk, Lemaire Channel, 07:22

Lamaire Canal

Lemaire Channel, 08:21

Lemaire Kanal--Paradise Bay

Vom Lemaire Channel zur Paradise Bay, 10:56

Lemaire Kanal--Paradise Bay

Lemaire Kanal–Paradise Bay, 11:10

Lemaire Kanal--Paradise Bay

Brutplatz von Eselpinguinen auf eisfreien Stellen, Lemaire Kanal–Paradise Bay, 11:13

Paradise Bay

Paradise Bay, 11:43

Paradise Bay

See-Leopard, Paradise Bay, 11:44

Paradise Bay

Paradise Bay, 13:30

Paradise Bay--Orne Harbour

Paradise Bay–Orne Harbour, 13:34

Im späteren Nachmittag gehen wir in Orne Harbour, einer Bucht, vor Anker und ein letzter Landgang auf dieser Reise ist möglich, bei der man seinen Fuss – endlich – auf den Kontinent Antarktika setzen kann. Die Weiterfahrt zu den Melchior Islands ist der Anfang der Rückreise nach Ushuaia. Als krönender Abschluss werden wir von einem „Ballett“ von sicher 10 bis 15 Buckelwalen rund um das Schiff verabschiedet.

Paradise Bay--Orne Harbour

Paradise Bay–Orne Harbour, 13:53

Paradise Bay--Orne Harbour

Paradise Bay–Orne Harbour, 14:01

Orne Harbour

Orne Harbour, 16:11

Orne Harbour--Melchior Islands

Eselpinguine auf einer Eisscholle, Orne Harbour–Melchior Islands, 18:14

Melchior Islands

Buckelwal-Ballet bei den Melchior Islands, 20:55

Melchior Islands

Buckelwal-Ballet bei den Melchior Islands, 20:56

Melchior Islands

Buckelwal-Ballet bei den Melchior Islands, 21.13

Melchior Islands

Ein letzter Blick zurück auf die Melchior Islands, 21:18

14.12.2016
Am Morgen befinden wird uns bei ruhiger See auf Kurs. Gegen 10:00 Uhr meldet die Brücke Wale auf der Backbordseite. Es handelt sich um zwei Finnwale, das zweitgrösste lebende Tier auf dieser Welt. Wale sind etwas frustrierendes: man sieht ein bisschen Rücken, wenn man Glück hat sie Rückenflosse und den sog. Blas wenn sie „schneuzen“. Trotzdem lösen Walmeldungen immer ein  Hektik aus.

South Georgia--South Orkney Islands: Finnwale

Finnwal, South Georgia–South Orkney Islands

Nun ist es Zeit, einmal etwas über das Schiff zu sagen: Die MS Bremen von Hapag Lloyd wurde 1990 bei Mitsubishi Shipyard in Kobe (Japan) gebaut, ist also schon ein relativ alter Kahn. Sie ist ein Schiff einer hohen Komfortklasse, 111 m lang, 17 m breit und hat einen Tiefgang von 4,8 m. Sie wird von 2 Dieselmotoren mit je 2427 kW angetrieben und erreicht eine Geschwindigkeit von 15 Knoten (28 km/h). Sie hat Stabilisatoren, d.h. eine Einrichtung, mit der die Bewegungen des Schiffes infolge Wellengangs gedämpft werden kann. Wichtig für Reisen wie diese hier: sie hat die höchste Eisklasse E4 für Passagierschiffe, d.h. Bug und Rumpf sind verstärkt, dass das Schiff in der Lage ist, Seeeis beiseite zu schieben, nicht aber es zu brechen. Die MS Bremen ist kein Eisbrecher.

South Orkney Islands: Laurie Island, Base Naval Orcadas

MS Bremen vor Laurie Island, South Orkney Islands

MS Bremen, Ushuaia

Meine Kabine auf der MS Bremen

Die MS Bremen kann in 80 Aussenkabinen und zwei Suiten 155 Passagiere aufnehmen. Die Crew – Schiffsbesatzung und Hotelbetrieb zusammen – besteht aus 100 Mitarbeitern. Für die Anlandungen verfügt sie über zwölf motorbetriebene Schlauchboote, sog. Zodiacs. Sie verfügt über eine eigene Müllverbrennungsanlage und ein vollbiologisches Klärsystem. Küchenabfälle ist das einzige, was über Bord geht, nicht aber im Südatlantik und im Südpolarmeer. Ausserdem gibt es ein Hospital mit Schiffsarzt – der fährt auch Zodiac – und einer Pflegefachfrau und einen Coiffeur/Beauty-Salon mit einer entsprechend ausgebildeten Mitarbeiterin. Die MS Bremen hat ein Helikopterdeck.

Obwohl die MS Bremen nicht mehr die jüngste ist, ist sie auf einen hohen Niveau, was ihre Ausstattung betrifft. Die Einrichtung der allgemeinen Räume und der Kabinen ist auf dem modernsten Stand und lassen keine Wünsche offen.

15.12.2016
Am Morgen erreichen wir die South Orkney Islands, wo eine Anlandung bei der argentinischen Forschungsstation Base Orcada auf Laurie Island geplant ist und auch stattfindet. Die Süd –Orkney-Inseln sind fast ganz vergletschert und in ihren Gewässern schwimmen Eisberge. Die Forschungsstation ist permanent besetzt und forscht in Meterologie, Erdmagnetfeld nun Glaziologie. Wir werden von den Argentiniern empfangen und bewirtet. Als Gegeleistung bekommen sie von der MS Bremen einiges, was sie entbehren müssen, das sie nur von zwei Schiffen pro Jahr versorgt werden, also Gemüse, Früchte usw. Sie revanchieren sich Wein, Kaffee und Kuchen.

South Orkney Islands: Laurie Island, Base Naval Orcadas

Reste der ersten Forschungsstation der Briten, Laurie Island, Base Naval Orcadas, South Orkney Islands

South Orkney Islands: Laurie Island, Base Naval Orcadas

Die argentinische Base Naval Orcadas, Laurie Island, South Orkney Islands

South Orkney Islands: Laurie Island, Base Naval Orcadas

Geflaggte Besitzansprüche, Base Naval Orcadas, Laurie Island, South Orkney Islands

South Orkney Islands: Laurie Island, Base Naval Orcadas

Kapsturmvögel, Laurie Island, South Orkney Islands

South Orkney Islands: Laurie Island, Base Naval Orcadas

Kapsturmvögel, die hier für uns nicht sichtbaren Phytoplankton fressen, Laurie Island, South Orkney Islands

South Orkney Islands: Laurie Island, Base Naval Orcadas

Zügelpinguine, Laurie Island, South Orkney Islands

South Orkney Islands: Laurie Island, Base Naval Orcadas

Adelie-Pinguin, Laurie Island, South Orkney Islands

South Orkney Islands: Laurie Island, Base Naval Orcadas

Adelie-Pinguine, Laurie Island, South Orkney Islands

Zurück auf dem Schiff hat der Hotelbetrieb auf dem Oberdeck einen Weihnachtsmarkt organisiert, schon ein bisschen surreal. Mit kommt Fellinis Satyricon in den Sinn. Aber offenischtlich gefällt es den meisten. Das Spanferkel ist gut, der Glühwein und der Dresdener Stollen auch. Da tauchen dann auch die ersten grossen Eisberge auf die wir durch die Fahrt durch die Normanna Strait im Westen der South Orkneys noch ausgiebig bewundern können.

South Orkney Islands

Weihnachtsmarkt auf dem Sonnendeck, südlich der South Orkney Islands

South Orkney Islands

Spanferkel und Glühwein auf dem 60. Breitengrad Süd

South Orkney Islands

Lebkuchenherzen …

South Orkney Islands: Normanna Strait

Pinguine verlassen die Eisscholle, Normanna Strait, South Orkney Islands

South Orkney Islands: Normanna Strait

Normanna Strait, South Orkney Islands

South Orkney Islands: Normanna Strait

Normanna Strait, South Orkney Islands

16.12.2016
Die ursprünglich geplante Anlandung auf Elephant Island, jener Insel, auf der Shackleton landete und seine Crew zurückliess um auf South Georgia Hilfe zu holen, war wegen zu hohem Wellengang nicht möglich. Die Vorbeifahrt ist aber ein Erlebnis für sich, begleitet von Walen, jagenden Pinguinen und Robben auf Eisschollen. Elephant Island ist die nordöstlichste der South Shetland Islands. Am Abend könne wir dafür auf Penguin Island, einer kleinen Insel eines erloschenen Vulkans, an Land gehen und Zügelpinguinen beim Brüten zusehen.

Elephant Island

Elephant Island, fast voll vergletschert. Hier wartete die Mannschaft von Shackleton auf ihre Rettung

Elephant Island--Penguin Island

Club-Deck der MS Bremen, wir werden informiert, zwischen Elephant Island und Penguin Island

Elephant Island--Penguin Island

Elephant Island--Penguin Island

Bekannte Gesichter

Penguin Island

Penguin Island, praktisch eis- und schneefrei (warum?), ein ehemaliger Vulkan

Penguin Island

Eselpinguin, Penguin Island

Penguin Island

Adelie-Pinguin, Penguin Island

Penguin Island

Wal-Knochen, Penguin Island

Penguin Island

Zügel-Pinguin-Kolonie, Penguin Island

Penguin Island

Sie/er brütet, das Ei in der Bauchfalte in einem Nest aus Steinchen, hin und wieder wechselt sie7er die Position und verschiebt das Ei, Penguin Island

Penguin Island

Der Partner/die Partnerin mit sauberen Bauch – ein Zeichen, dass sie/er im Wasser war und gefressen hat, wartet darauf sie/ihn abzulösen, Penguin Island

Penguin Island

Ein Zügel-Pinguin bringt seiner Partnerin ein Steinchen vom Strand oder von einem anderen Nest geklaut, Penguin Island

17.12.2016
Heute morgen schneit es. Man muss sich immer wieder selber daran erinnern: hier ist Sommer! Wir sind 62° 35‘ S, immer noch gut 4° nördlich des südlichen Polarkreises, den wir auf dieser Reise nicht erreichen werden. Nahe am längsten Tag wird es in der Nacht auch nicht mehr richtig dunkel. Ich verzichte auf die Anlandung auf Half Moon Island.

Half Moon Island

Half Moon Island, South Shetland Islands

Am Nachmittag fahren wir in die Bucht von Deception Island, eine der südlichen der South Shetland Islands. Das spezielle an dieser Insel ist, dass amn mit dem Schiff durch eine gut 100 m breite Passage ins Innere der Insel fahren kann, in die Caldera des aktiven Vulkans. Auch schneit und regnet es und die Wolken hängen etwas 50 m über der Wasseroberfläche. Im Schiff ist es dagegen angenehm warm.

Deception Island

Deception Island, South Shetland Islands

Deception Island

Neptune’s Bellows, Deception Island, South Shetland Islands

Deception Island

Neptune’s Bellows, Deception Island, South Shetland Islands

Deception Island--Lamaires Canal

22:45: es wird eisige, Nordspitze der antarktischen Halbinsel

Deception Island--Lamaires Canal

23:08: es wird nicht mehr dunkel, wird sind der Nähe des 65. Breitengrades, antarktische Halbinsel

Deception Island--Lamaires Canal

18.12. 2016, 02:28: Der Sonnenaufgang, leider hinter Wolken, antarktische Halbinsel

Sonnenaufgang.

12.12.2016
Um 06:00 wird der Anker gelichtet und das ist ein Geräusch, das man im Vorschiff, wo meine Kabine ist, gut hört. Unter dem Vorhang ist es verdächtig hell, also stehe ich auf und schaue hinaus: Strahlende Sonne nachdem wir in den letzten Tagen meistens grau in grau gesehen haben. Also hinaus und ein paar schöne Bilder der spektakulären Szenerie der Fortuna Bay schiessen.

South Georgia: Fortuna Bay

Fortuna Bay, South Georgia

South Georgia: Fortuna Bay--Stromness

Fahrt von Fortuna Bay nach Stromness, South Georgia

Das erste Anlanden findet heute in Stromness statt, einer ehemaligen Walfangstation statt. Die ganzen Einrichtungen und Gebäude sind noch vorhanden, sind aber grossflächig abgesperrt, da einerseits Einsturzgefahr besteht und offenbar das ganze ziemlich viel Asbest enthält. Am Strand sehen wir Seebären, Königspinguine, See-Elephanten und auch einige Eselpinguine. Man kann eine Wanderung zu einem Wasserfall machen.

South Georgia: Stromness

Stromness, South Georgia

South Georgia: Stromness

Reste der Walfangstation in Stromness, South Georgia

South Georgia: Stromness

Eselpinguin. Sie heissen so wegen ihrem Ruf. Stromness, South Georgia

South Georgia: Stromness

Seebären, Stromness, South Georgia:

South Georgia: Stromness

Königspinguine in der Mauser. In diesem Zustand könne sie nicht ins Wasser und können sich ca. einen Monat lang nicht ernähren. Stromness, South Georgia: Stromness

Dann geht die Fahrt weiter nach Maiviken, ein der nächsten Buchten gegen Osten, von wo ein  Teil der Gruppe an Land geht, um den Weg nach Grytviken zu Fuss zu unternehmen. Ich bleibe auf dem Schiff und gehe dann in Grytviken an Land. Grytviken ist der „Hauptort“ von Südgeorgien. Hier gibt es eine permanent besetzte Verwaltung, eine Forschungsstation, ein Museum und ein Postamt. Auch das Militär ist natürlich hier, wieviele ist aber offenbar ein gut gehütetes Geheimnis.

South Georgia: Grytviken

Grytviken, South Georgia

In Grytviken wurden bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts Wale verarbeitet. Ein Teil der Anlagen sind gesichert und können besichtigt werden. Ausserdem befindet sich das Grab Ernest Shackletons im kleinen Friedhof. Die Crew der MS Bremen offeriert hier einen Tee mit oder ohne, Glühwein und Gebäck. Hier muss einmal etwas zum gebotenen Service auf der MS Bremen gesagt werden: Da ist alles hochprofessionell, die Küche und er Weinkeller Spitze, das Personal erstklassig und immer freundlich. Die Kabinen entsprechen absolut einem Hotel-Standard.

South Georgia: Grytviken

Das Grab von Ernest H. Shackleton, Grytviken, South Georgia

South Georgia: Grytviken

Der Briefkasten in Grytviken wird von Oktober bis März zweimal in der Woche geleert

South Georgia: Grytviken

Grytviken hat eine von Norwegern gebaute Kirche, die zur Zeit renoviert wird

South Georgia: Grytviken

In Grytviken müssen manche Häuser angebunden werden, dass sie nicht von den extrem starken Winden gefährdet werden, South Georgia

South Georgia: Grytviken

Reste der Walfangstation, Grytviken, South Georgia

South Georgia: Grytviken

Walfangschiff, es hat bessere Zeiten gesehen, Grytviken, South Georgia

South Georgia: Grytviken

See-Elephanten-Männchen in Mitten des Walfangschrotts, Grytviken, South Georgia

Eine zweite Bemerkung ist zu den Angeboten zu machen: Nebst den bereits erwähnten ausgezeichnet organisierten Landgängen bieten die mitfahrenden Fachleute sehr gute Vorträge zur Geschichte und zur Natur und geben bereitwillig Auskunft. Reto Brennwald moderiert jeden Abend vor dem Nachtessen einen „Talk“, zu dem er jeweils Gäste interviewt, so z.B. die Schiffsleitung – der leitende Offizier, eine Frau (die sich so bezeichnet haben will), den Kapitän – die Verantwortlichen für den Hotelbetrieb einschliesslich die ziemliche junge Küchenchefin usw. Hier in Grytviken hat er den „Gouverneur“ von South Georgia, der Vertreter der britischen Regierung, und zwei Forscher eingeladen.

Über Nacht liegen wir die meiste Zeit in Grytviken vor Anker, was eine ruhige Nacht bedeutet.

13.12.2016
Im Laufe der Nacht haben wir Grytviken verlassen und unser erstes Ziel für diesen Tag, St. Andrews Bay, angesteuert. Wenn die Salisbury Plains beeindruckt haben, wird am in St-Andrews Bay überwältigt. Hier sind es geschätzt eine halbe Million Königspinguine, ein Viertel der weltweiten Population. Es hat weniger Seebären, dafür aber mehr See-Elephanten. Man kann einfach nur noch staunen. Vielmehr kann man dazu nicht sagen.

South Georgia: St-Andrews Bay

See-Elephanten-Jungtiere machen ihre ersten Erfahrungen mit Wasser häufig in Tümpeln hinter dem Strand, St-Andrews Bay, South Georgia

South Georgia: St-Andrews Bay

Von hier aus ahnt man, dass es sehr viele Königpinguine sind, St-Andrews Bay, South Georgia

South Georgia: St-Andrews Bay

See-Elephanten-Bullen, wie dieser hier, können bis 6 m lang und bis 3,5 t schwer werden und sind damit die grössten Raubtiere der Welt (Wikipedia), St-Andrews Bay, South Georgia

South Georgia: St-Andrews Bay

Ein Teil der 500’000 Königspinguine, St-Andrews Bay, South Georgia

South Georgia: St-Andrews Bay

Mein persönlicher Freund, Pinguin König, St-Andrews Bay, South Georgia

South Georgia: St-Andrews Bay

See-Elephanten-Haufen; zwei stressen, St-Andrews Bay, South Georgia

South Georgia: St-Andrews Bay

South Georgia: St-Andrews Bay

Königspinguine so weit das Auge reicht, South Georgia: St-Andrews Bay

Doch etwas sollte man bei diesen Massen schon noch erklären: Da sind als rund 500‘000 Pinguine, die Erwachsenen als Paare, die sich das Brut und das Aufzuchtgelingen (ich habe „Aufzuchtgeschäft“ geschrieben – auf Intervention des kompetenten Kritikers Kurt, der Ausdruck „Aufzuchtgeschäft“ sei zu kommerzialistisch, habe ich den Ausdruck geändert) teilen. Ein Partner brütet und der andere geht ins Meer und frisst. Wenn das Kücken geschlüpft und gross genug ist, gegen die Eltern ins Meer und fressen sich voll, wobei der Mageninhalt nicht verdaut wird. Damit kehren sie zu ihrem Kücken zurück, um es zu füttern. Aber wie finden sie es in der Menge? Offenbar durch Rufe und Antworten, eine Leistung der Natur, die man sich nur schwer vorstellen kann. Aber sie funktioniert, sonst würde es nicht so viele Königspinguine geben. Kann man sich vorstellen, dass man seinen Partner z.B. an der Streetparade nur durch rufen finden könnte? (Dies ist ein Vergleich von Benno Lüthi von ART = Arctic Research Trust).

South Georgia: St. Andrews Bay--Gold Harbour

Gold Harbour, St. Andrews Bay, South Georgia

South Georgia: Gold Harbour

Vom Schiff aus sahen diese braunen Königspinguin-Kücken aus wie Tussock-Gras-Büschel, Gold Harbour, South Georgia

Am Nachmittag wär eine weitere Anlandung in Gold Harbour, in einer von Gletschern umrahmten Bucht vorgesehen, die wegen zu hohem Wellengang abgesagt wird. Als Ersatz gibt es eine Fahrt in den Drygalski Fjord, in dem mit den Zodiaks eine Fahrt an die Eis- und Felswände angeboten wird. Gegen Abend umrunden wird wir die Südostspitze von Süd-Georgien und nehmen einen südwestlichen Kurs auf die South Orkney-Inseln.

South Georgia: Drygalski Fjord

Drygalski Fjord, South Georgia

South Georgia: Drygalski Fjord

Ein Gast auf dem Schiff, Drygalski Fjord, South Georgia

South Georgia: Drygalski Fjord

Drygalski Fjord, South Georgia

South Georgia: Südostende

Das verschneite Südostende von South Georgia

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